Perspektivenwechsel

Künstlerin: Elke

Die Kugeln … sie liegen hier vor mir … so viele Formen … so viele Farben … Was passiert, wenn ich sie berühre? Alles ist still in mir … aber in meinen Fingern, das ist mein Weg und meine Welt. Jede ist einzigartig, jede trägt eine Geschichte. Ich forme und ordne sie … Ich berühre sie, fühle ihre Rundungen, ihre Oberflächen, ihre Farben. Sie sagen mir nichts mit Worten, aber alles mit ihren Formen. Meine Hände kennen die Welt anders. Ich sehe nicht mit Augen, ich sehe mit Fingern, mit Haut, mit Herz. Das ist mein Universum. Manchmal sanft, manchmal rau, manchmal warm, manchmal kühl. Jede Berührung erzählt von Raum, von Nähe, von Entfernung. Wie ist die Welt, wenn man sie nicht mehr sieht? Sie ist dichter, leiser, voller Geheimnisse. Man hört das Unsichtbare, spürt das Unsagbare, fühlt das, was anderen verborgen bleibt.

Ich ordne, forme, füge zusammen. Die Kugeln werden Landschaften, Wellen, Täler, Hügel. Sie flüstern mir zu, sie erzählen mir von Licht, das ich nicht sehen kann, aber fühlen, von Bewegungen, die kein Auge erkennt, von Geschichten, die nur Hände lesen können.

Meine Kunst ist meine Stimme, nicht laut, nicht chaotisch, sondern klar. Für Menschen, die sehen oder nicht sehen, ist sie ein Fenster in meine Wahrnehmung, in meinen Rhythmus. Sie lädt ein, zu spüren, zu verstehen, über die Grenzen der Augen hinaus.

Ich bin Elke. Ich bin nicht nur blind. Ich bin eine Künstlerin, die die Welt mit Händen und Herz malt. Meine Kugeln, meine Farben, mein Licht, sie antworten auf Fragen, die ich nicht aussprechen muss. „Perspektivenwechsel“ ist meine Denkweise. Ist nicht die Welt selbst so? Immer unterschiedlich für jeden, der sie erfährt?