Menscha

Künstler: Antonia

Ich heiße Antonia. Oder, wie man bei uns sagen würde: „Isch bin dat Antonia aus Sabursch.“ Und wenn ihr mich fragt, was ich mache, tja, dann wird es ein bisschen … menscha. Denn ich zeichne keine Menschen. Nein, nein. Bei mir sind das Menscha. Ein bisschen schief, ein bisschen lustig, ein bisschen traurig, ein bisschen betrunken vom Leben. So wie wir alle eben.

Ich bin umgeben von Gesichtern aufgewachsen, die immer irgendetwas erzählt haben. In Trier und Umgebung bekommt man nie die ganze Geschichte, es fehlt immer etwas. „Dat is halt so.“ Und genau das, was fehlt, versuche ich zu zeichnen.

Ich gehe zu Veranstaltungen, Vernissagen, auf Märkte, auf Geburtstage, bei denen niemand so genau weiß, wessen Verwandter eigentlich wer ist, und ich beobachte die Menschen. Nicht die schönen aus den Katalogen, sondern die, die am Rand stehen und sagen: „Wat guckst du?“ Genau die liebe ich. Die zeichne ich. Schnell, schief, mit Linien.

So entstehen meine Menscha. Das sind keine Porträts. Das sind Spuren. So wie wenn sich jemand neben dich setzt und dann wieder geht, aber eine Wärme auf dem Stuhl zurückbleibt. Oder ein Geruch. Oder ein Wort, das du nicht ganz verstanden hast.Und irgendwann dachte ich mir: „Antonia, dat reicht nit.“ Es reicht nicht, dass die Menschen nur auf Papier existieren. Denn Menschen sind nicht flach. Menschen sind… überall.

So ist sie entstanden, meine Menscha.
Eine Frau. Eine Skulptur. Ein Körper. Aber nicht leer. Niemals leer. Auf ihrer Haut sind all die, die ich je gezeichnet habe. Alle, die „wat“, „dat“ gesagt haben. Alle, die durch mein Leben gegangen sind wie Skizzen, kurz, aber sie haben eine Linie hinterlassen.

Ihr Körper gehört nicht nur ihr. So wie meiner auch nicht nur mir gehört. Wenn ihr sie anschaut, denkt ihr vielleicht: „Wer ist sie?“ Und ich sage euch: „Menscha“.